Die WHO-Richtlinien zur Beikost wurden zum ersten Quartal 2026 offiziell geändert. Dies stellt die bedeutendste Aktualisierung der Säuglingsernährungsprotokolle seit über einem Jahrzehnt dar. In einer heute Morgen veröffentlichten gemeinsamen Konsenserklärung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) liegt der Fokus nun nicht mehr darauf, was Babys essen, sondern darauf, wie sie gefüttert werden und wie stark die Zutaten verarbeitet sind.
Jahrelang bewegten sich Eltern in einem Graubereich bezüglich Quetschbeuteln, Fütterungszeitpunkt und Milchumstellung. Die neuen Standards sollen diese Verwirrung beseitigen. Obwohl wir Das erste Lebensjahr der Ernährung: Evidenzbasierte Leitlinien für Stillen, Flaschennahrung und Beikost bereits ausführlich in früheren Berichten behandelt haben, erfordern diese neuen Richtlinien eine sofortige Anpassung der Vorgehensweise von Kinderärzten und Eltern im Zeitraum zwischen sechs und zwölf Monaten. Die wichtigste Änderung? Eine strikte weltweite Empfehlung gegen den Verzehr von ultraverarbeiteten Lebensmitteln (UPFs) für Kinder unter zwei Jahren, unabhängig von der Nährwertkennzeichnung.
Wichtigste Erkenntnisse: Das Update 2026

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Null-Toleranz gegenüber ultraverarbeiteten Lebensmitteln: Neue Definitionen stufen viele industriell hergestellte Babynahrungen als ultraverarbeitet ein; empfohlen wird, diese bis zum Alter von 24 Monaten vollständig zu vermeiden.
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Bedürfnisorientiertes Füttern: Fütterungsstile, die Sättigungssignale ignorieren (z. B. abgelenktes Füttern, Flaschen austrinken), werden klinisch nicht mehr empfohlen.
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Betonung tierischer Lebensmittel: Für Familien, die nicht vegetarisch essen, hat die tägliche Zufuhr tierischer Lebensmittel (Eier, Milchprodukte, Fleisch) Priorität, um Mikronährstoffmängel zu vermeiden.
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Zeitpunkt der Allergenexposition: Das „Zeitfenster“ ist für Risikokinder klar auf den Zeitraum zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat festgelegt.
Der Kampf gegen hochverarbeitete Lebensmittel
Der wohl auffälligste Aspekt der Leitlinien von 2026 ist die Klassifizierung von „Babynahrung“. Frühere Leitlinien konzentrierten sich auf Grenzwerte für Salz und Zucker. Der neue Rahmen zielt auf die Matrix der Lebensmittel selbst ab.
Die WHO rät nun ausdrücklich von industriell verarbeiteten Lebensmitteln ab, deren Matrix dadurch verändert wird – selbst wenn kein Zucker zugesetzt wurde. Dies betrifft insbesondere haltbare Quetschbeutel. Der Bericht verweist auf neue Daten aus dem Jahr 2025, die einen Zusammenhang zwischen frühzeitiger Exposition gegenüber ultrahocherhitzten Partikeln (UPF) und gestörter Stoffwechselregulation bei Kleinkindern belegen. Eltern werden dringend gebeten, frische, gekochte Lebensmittel oder im Handel erhältliche Produkte zu bevorzugen, die mit Hochdruck (HPP) statt mit Hitzesterilisation verarbeitet wurden, da diese die Lebensmittelstruktur verändert.
Für Eltern bedeutet dies, dass es beim Lesen von Etiketten nicht mehr nur um die Zutaten, sondern auch um die Verarbeitungsmethoden geht. Wenn Sie unseren „Fütterungsplaner“ verwenden, werden Sie feststellen, dass wir unsere Ernährungsempfehlungen bereits aktualisiert haben und Vollkornprodukte gegenüber Breien für Säuglinge um den 7. Monat bevorzugen.
Vergleich: Standards von 2024 vs. Protokolle von 2026

| Besonderheiten | Frühere Richtlinien (2024/2025) | Neuer WHO/ESPGHAN-Standard 2026 |
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| Zucker/Süßstoffe | Zuckerzusatz vermeiden; Fruchtsaftkonzentrat ist teilweise erlaubt. | Strenges Verbot: Keine zuckerfreien Süßstoffe (Stevia, Mönchsfrucht) oder Fruchtkonzentrate. |
| Konsistenzumstellung | Stückige Nahrung ab 10 Monaten. | Beschleunigte Umstellung: Stückige/Fingerfood ab 8 Monaten, um sensorische Aversionen zu vermeiden. |
| Kuhmilch | Ab 12 Monaten als Getränk einführen. | Kleine Mengen: Ab 6 Monaten in der Zubereitung von Speisen erlaubt; ab 12 Monaten als Getränk. |
| Fütterungsstil | „Nach Appetit füttern.“ | Responsives Füttern: Obligatorische Aufklärung über das Erkennen von Sättigungssignalen (Abwenden, Schließen des Mundes). | | Nahrungsergänzungsmittel | Schwerpunkt Vitamin D. | Schwerpunkt Eisen & Zink: Eine Ernährungsumstellung ist nach Möglichkeit der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gegenüber der Einnahme von Tropfen vorzuziehen. |
Bedürfnisorientiertes Füttern: Verhalten vor Volumen
Die Aktualisierung legt einen beispiellosen Fokus auf die Psychologie des Essens. Der Begriff „Responsives Füttern“ hat sich von einem Modewort zu einer klinischen Grundlage entwickelt. Die Leitlinien warnen ausdrücklich vor zwanghaften Fütterungsmethoden – wie etwa dem Einsatz von Bildschirmen, um ein Baby abzulenken und es zum Öffnen des Mundes zu bewegen, oder dem Spielen von „Flugzeug“, um den letzten Löffel zu erzwingen.
Ziel ist die Selbstregulation. Babys müssen lernen, aufzuhören zu essen, wenn sie satt sind, um Übergewicht im späteren Leben vorzubeugen. Dies deckt sich weitgehend mit den Prinzipien der Studie „Baby-Led Weaning vs. Brees: What the Latest Research Says“, in der das Kind das Tempo selbst bestimmt. Die WHO gibt nun an, dass selbst bei löffelgefütterten Säuglingen der Löffel angeboten, aber nicht eingeführt werden sollte, sodass das Baby sich nach vorne beugen und ihn annehmen kann.
Aktualisierte Allergenfenster
Obwohl die Empfehlung, frühzeitig und häufig Beikost anzubieten, schon seit Jahren kursiert, bietet die Dokumentation von 2026 einen strengeren Zeitplan. Die Daten zeigen, dass eine Verzögerung der Einführung häufiger Allergene (Erdnüsse, Eier, Milchprodukte) über den 6. Lebensmonat hinaus keinen Schutz bietet und das Risiko sogar erhöhen kann.
Der neue Standard empfiehlt, allergene Proteine zu den ersten Lebensmitteln zu führen, sobald ein Säugling entwicklungsbedingt bereit für Beikost ist (sitzen kann, der Zungenstoßreflex ist verschwunden), anstatt mit der Einführung von Gemüse zu warten. Eine praktische Anleitung zur sicheren Einführung finden Sie in unserem Leitfaden „Einführung von Allergenen: Die neuen Leitlinien 2026 für Erdnüsse und Eier“.
Diese Richtlinien von 2026 bedeuten eine Rückbesinnung auf das Wesentliche, frei von industriellem Einfluss. Die entschiedene Haltung der WHO gegen hochverarbeitete Babynahrung stellt den Markt für Fertigprodukte, der das letzte Jahrzehnt dominiert hat, infrage. Eltern erhalten eine klare Botschaft: Vertrauen Sie den Hungerzeichen Ihres Babys, legen Sie frühzeitig Wert auf natürliche Lebensmitteltexturen und betrachten Sie jede Mahlzeit als Chance für die Entwicklung Ihres Babys und nicht nur als Kalorienzufuhr. Mit der weltweiten Einführung dieser Standards erwarten wir sowohl in der Kinderarztpraxis als auch im Babynahrungssortiment deutliche Veränderungen.





